Kleine Schreibblockade

Schreibblockade

 

Jede fünfte Sekunde wird mit dem Blick auf die Uhr verbracht. Und trotz lähmender Zähigkeit des einzelnen Moments, werden aus qualvollen Augenblicken rasch Stunden.
Beinahe 7 sind es nun.
Der sonst so schnell blitzende Funke des schnellen Geistes scheint nun Lichtjahre, Epochen, Welten entfernt.
Ein gefährlicher Mix aus Wut und Resignation füllen Hirn und Herz.

Was tun? Die Frau mag nicht mehr helfen, leid ist sie die abgeschmetterten Vorschläge.
Internet, Zeitungen, Bücher selbst der Fernseher wird auf der inzwischen gewagten Suche nach Themen und Ideen konsultiert. Doch der gesunde Verstand obsiegt. Nicht von außen soll der Text stammen. Aus dem Innern muss er kommen.

Schweiß in den Händen. Schlapp und regungslos ruhen die Finger über den Tasten.
Ekelhaft empfundener Zwang den Tag nicht ohne geschriebene Zeilen zu beenden.
Leichte Panik macht sich breit – Zweifel!
Woher den geistigen Blitz nehmen, welcher gewöhnlich nichteinmal Teil des Denkprozesses ist, nicht nötig zu bedenken.

Viele Ideen werden angefangen, verworfen, neu aufgelegt. Und doch scheint alles grau, blass und ohne jede Frische, welche mich noch gestern so keck umgab.
Wo ist die Euphorie?

Dem Scheitern nah. Völlige Leere.

Nun kommt die Akzeptanz.
Der Tag ist bald zuende. Erneut eine fünfte Sekunde. Letzter Blick auf die Uhr – 18:24 Uhr.
Zeit aufzugeben.
Der Computer wird heruntergefahren, der Geist ebenso.
Ekelhafter elektronischer Folterknecht – Erleichterung ihm für heute zu entkommen.
Oder doch nur die Flucht vor den angsteinflößend stechenden Augen der eignenen Maßstäbe.

Der eben entronnenen Nemesis wird nun wieder Leben eingehaucht. Das Fenster ins Verderben ist wieder geöffnet.

Nun bleibt nur der Bericht über den Bericht, die Umfrage über Umfragen.
Hilft es? Ein wenig.

Und endlich! Einige Worte, welche es schaffen nicht direkt dem Zweifel und der Löschtaste zum Opfer zu fallen. Weiter Worte, Sinn!
Echte Erleichterung, oder zumindest die Schwere besiegt – für den Augenblick.

Euer Komoediant!

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9 Kommentare

  • Joan Quade

    Die sogenannte Schreibblockade wird gern mystifiziert. Das macht sie natürlich noch unheimlicher und so wird sie auch nicht mehr in Frage gestellt. Es ist so – es gibt immer einen wirklich guten (und nicht selten sehr einfachen) Grund, warum wir (scheinbar bzw. kurzzeitig) nicht weiterkommen. Themen sind nun mal nicht unendlich verfügbar – vor allem nicht solche, die in in uns wichtig sind. Ideen kann man aus allem ziehen – sicher – doch nicht alles interessiert uns so sehr, dass wir darüber schreiben wollen. manchmal verwechselt (oder vernachlässigt) man auch das eigene Interesse mit dem, derer, für die wir schreiben wollen oder sollen. Aber es ist noch viel komplexer – hängen wir zum Beispiel mitten in einem Roman fest, hat das auch noch andere Ursachen – z.B. mangelnde Planung (man merkt das u.A., wenn man sich beim Schreiben schon langweilt oder man nicht weiß, wie es weitergeht. Nur allein den Anfang und den Ausgang einer Geschichte zu kennen, reicht noch nicht um das Wichtige dazwischen zu schreiben. Und die Möglichkeit der modernen „Schreibmaschine“ ganze Absätze oder Seiten mit nur einem Klick wieder zu löschen, lässt uns jeden Satz hinterfragen. Dabei wusste Hemingway schon – „Die erste Version ist immer scheiße“. Aber soweit kommen wir heutzutage kaum noch – in der Welt von Facebook & Co. , wo jeder (Depp) etwas zu sagen hat und alle es besser wissen, traut sich der selbstkritische (und oft recht sensible) Mensch kaum noch Fehler zu machen. Gar nichts zu machen – ist eine Option, denn sich Ideen oder Kreativität aus der Birne zu quetschen, koste es was es wolle, ist definitiv keine Option. Das erzeugt nur Mittelmaß. Und sind wir ehrlich – das ist es, doch, wovor wir uns am meisten fürchten. Wäre es so einfach – könnte es jeder. (Ich könnte noch einiges dazu sagen – z.B. warum ein Psychoanalytiker sehr hilfreich für Autoren sein kann – aber dieser Kommentar ist ohnehin schon viel zu lang.)

  • schreibblockaden gehören zum alltag des schreibenden. trotzdem ist es richtig, diszipliniert am arbeitsplatz zu bleiben. so hockte beispielsweise raymond chandler prinzipiell vormittags fünf stunden vor seiner schreibmaschine, selbst wenn ihn während der gesamten zeit das leere weiße blatt höhnisch angrinste. wer einmal vor dem leeren blatt davon läuft, wird es immer wieder tun…

  • Pingback: Schreibblockade – Ökonomie 2040

  • Das kenne ich verdammt gut.

  • Du musst dir erlauben „scheiße“ zu schreiben. Also richtigen Mist. Wenn du erfolgreicher Autor sein willst, schaut dich der Verlag schräg an, wenn du nicht lieferst. Deswegen den Tipp von James Gunn: erlaub dir, schlecht zu schreiben. Weg mit der Eitelkeit. Keine Löschtaste (beim ersten Versuch sowieso nicht). Egal wie es klingt, am Ende des Tages hast du fünf Seiten, mit denen du dann (weiter) arbeiten kannst.

    Ein weiterer Tipp von Isaac Asimov: schreib an mehreren Dingen. Wenn dir wirklich nichts einfällt, dann schreib was anderes. Aber alles was am Papier ist, ist am Papier.

    Das ist das einzige was mir dazu einfällt, Trotzdem viel Erfolg ^^

  • Lo

    Manchmal hilft es, nach draussen zu gehen, sich einen ruhigen Platz zu suchen, von dem man sehr weit gucken kann.
    Das hilft, den eigenen Gedanken die Chance zu geben, wiedergefunden oder/und zuende gedacht zu werden.
    Wird schon wieder….
    :-)

  • Also Stephen King würde an dieser Stelle wohl sowas sagen wie: Ein Autor wartet nicht auf die Inspiration, er setzt sich einfach hin und macht seine verdammte Arbeit wie jeder andere auch.

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