Des Vortrinkers Mundgeruch

Noch immer kein Schnee. Morgen ist Nikolaus. Tristesse macht sich breit, wie die Dunkelheit die zu dieser Jahreszeit viel zu früh den Tag nimmt. Erinnerungen des Sommers klingen nach. Ein schweißtreibender Spaziergang in der Heimatstadt, am alten Dom vorbei, in Richtung der Innenstadt.

Ein unvergleichlich sommerlicher Durst macht sich breit. Nach einer nicht enden wollender Busfahrt mit den heißen Düften dutzender Drüsen. Es hat viel Mühe gekostet in der mittäglichen Hitze nicht den perlenden Schweiß der eng gedrungenen Anderen zu berühren.

Endlich außerhalb des Busses, auf eine kleine Brise hoffend, die ausgetretenen Flüssigkeiten in sämtlichen Zwischenräumen der eigenen Kleidung verteilend macht sich der Wunsch nach Erfrischung breit.

Da! Rettender Sprudler! Kleine süße Messingkugel, aus der plätschernd der erfrischend kalte Segen spritzt. Ein Trinkwasserspender! So oft hat man ihn passiert, ohne ihn zu bemerken. Nun rettet er den Tag. Das Leben!

Ein weiser Mann sagte einst, das Küssen von Frauen sei im Grunde recht einfach „du gehst 90, sie kommt 10“ … oder so ähnlich. Zumindest klingen Diese Worte wabernd in meinem Kopf, als ich dem Wasserspender ekelhaft aufdringlich meine Lippen aufdrücke. Ohne Rücksicht auf mögliche Krankheitserreger schlabbere ich das Wasser, das mit viel zu wenig Druck aus dem kleinen Loch pullert. Und plötzlich macht sich ein absolut widerlicher Gedanke breit, leichte Übelkeit macht sich breit. Es schmeckt nach Husten, Kaffee und irgendeiner Art Käse. Meine zuvor abgeworfene Vorsicht hat sich nun in abgrundtiefe Ablehnung verkehrt. Wie konnte ich diesem vergilbten Messingteil überhaupt nur etwas abgewinnen.

Einen kurzem Moment muss ich überlegen, bevor mir ganz deutlich der einzig richtige Weg einleuchtet – nachhause! Ohne Rücksicht auf sämtliche Schweißattacken! Gedanken an Mundwasser, Zahnbürste und Desinfektionsmittel tragen meine Füße heimwärts.

Der Rest des Weges entzieht sich meiner Erinnerung. Nur die erfrischende Minze des zum Glück viel zu starken Mundwassers hat sich unwiderruflich eingebrannt.

Zurück im Winter. Eine leichte Übelkeit in der Magengegend.

Zeit sich in der Dusche zu umarmen, und zu weinen.

 

 

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