(K)Ein Jahresrückblick -Achtung! Wütend!

2016 – ein Jahr fliegt an mir vorbei.

Eigentlich nicht, denn so wie jedes andere Jahr hat auch dieses Jahr runde 365 Tage gehabt, und konnte wie nahezu jedes Jahr der zweitausend und sechzehn Jahre unserer Zeitrechnung mit einigen Ereignissen begeistern, erregen, bestürzen und faszinieren. Weniger faszinierend hingegen finde ich die ewigen Klassiker der Jahresenden à la „Schon wieder ein Jahr vorbei“. Bei solchen Äußerungen machen sich innerlich misanthropische Wutanfälle Luft.

Ja, doch, wahnsinn .. ein ganzes Jahr ist vorbei. Was hat man denn die restlichen 364 Tage veranstaltet, dass man erst zum Jahresende den vergangenen Zeitraum wahrnimmt?! Schrecklich sind auch all die widerlich billig produzierten Jahresrückblicke im deutschen TV, wo sich X und Y-Promis die Karlauer um die Ohren hauen.

Die diesjährige Krone des Fremdschäm-Programms wurde vor einigen Tagen in einem absoluten Ekel-Gefühl mündenden Spektakel von, dem für grenzdebile Fernsehproduktionen bekannte Sender, RTL2 ausgestrahlt – Daniela mit Lucas im Weihnachtsfieber. Um aber meinen kleinen, ganz persönlichen Fokus der Abscheu nicht nur auf die deutschen Privatsender zu fokussieren, denn das wäre uns allen sicherlich ein nicht enden wollender Graus, möchte ich auch im allgemeinen einen wunderbar widerlichen Blick auf all das richten, was es zu benörgeln gilt. Weniger weil ich grundsätzlich negativ eingestellt, oder gar ein schlechter Mensch wäre, auch wenn das nebenbei bemerkt durchaus im Bereich des Möglichen liegt, vielmehr weil der Mensch an sich geneigt ist all das Negative zu verdrängen.

An dieser Stelle sehe ich mich gezwungenzu erinnern.

Dieses Jahr hatte neben den gerade erst vor kurzem von allen Seiten häuchlerisch hinausposaunten Mit- und Beileidsbekundungen zum Berliner Anschlag, auch einige weitere prominente Todesfälle, welche sich ebenfalls durch die zahlreichen ekelhaft ernstgeglaubten Gefühlsausbrüche des gemeinen „Ich-habe-zu-jedem-Thema-einen-Senf“-Menschen äußerten. Und ja, da werde ich für einen Moment bitter ernst, wenn man meint jede Situation für sein eigenes Geltungsbedürfnis nutzen zu müssen. Sicherlich könnte ich mir dies nun an dieser Stelle auch selbst vorwerfen, verweise allerdings auf den Fakt, heute einmal nur die Schuld des Klagenden, nicht aber die des Beklagten tragen zu müssen.

Nun mag der ein oder auch andere sogar ernsthaft ausschließlich sein ehrliches Mitleid ausdrücken wollen. Es sei mir jedoch die Frage erlaubt, ob es dann nicht angebrachter wäre seinem Gefühl nicht nur in Form von Worten einen Raum zu schaffen, sondern seiner Überzeugung auch Taten folgen zu lassen.

Diesem Bedürfnis den Finger in die Wunde zu legen genüge getan, auf die Gefahr hin ein wenig Wut der „Anderen“ auf mich zu nehmen, will ich mich dazu durchringen einen Ausklang zu finden, der dem Vorangegangen halbwegs seine Schwere nimmt.

In vielerlei Hinsicht verspüre ich bei all dem was meiner Meinung nach schief und absolut verkehrt läuft eine unersättliche Wut auf diejenigen, die ihren Beitrag zu der allgemeinen Widerlichkeit unserer Gesellschaft leisten (auch auf mich). Und dennoch ertappe ich mich nur zu gern dabei, wie ich mich selbst daran erinnere, dass es auch Dinge in dieser Welt gibt, die es vermögen die Leichtigkeit im eigenen Herzen neu zu entflammen. Totgeglaubte Gefühle wie ein reines, unverfälschliches glückliches Jauchzen des Kindes das ich einst war, wünsche ich mir nur zu oft zurück.

Deshalb möge man mir meinen verdärbten Charakter, und die unverhohlene Art und Weise mit der ich Vorwürfe um mich werfe, nachsehen, und uns allen ein gutes neues Jahr wünschen!

In diesem Sinne,

demnächst wieder etwas versöhnlicher –

euer Komoediant!

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13 Kommentare

  • Pingback: (K)Ein Jahresrückblick -Achtung! Wütend! | productwarrior

  • Vielen Dank für diesen Artikel! Es IST nicht immer lustig hier, und es ist wichtig, ehrlich zu schreiben, dann eben schlecht gelaunt und kritisch.
    Was mich sehr angespornt hat, selbst auch genau dort weiterzumachen, genau mit dem besagten Kritischen, ist der verlinkte Artikel von der Frau Katzenberger.
    Das liest sich ja wie ein Scherz – genau das, was da der Meute als Verhöhnung entgegengeschleudert wird ist es, um das es geht. Aufwachen heisst, so einen Text zu lesen und sich dabei nicht mal mehr die Haare zu raufen. Und besonders wichtig ist der Papstbesuch, das ist in der Tat die perfekte Einstimmung auf Konsumterrorweihnacht der Egos.
    Mein GOTT, wo sind wir hier nur hingeraten …
    Liebe Grüsse Katrin

  • Also irgendwie endet dein Beitrag, bevor er richtig angefangen hat. Gerade, als ich dachte, dass es nun ans Eingemachte geht, wünscht du quasi gute Nacht. :) Etwas verallgemeinerte Schelte, oder?

  • „Schon wieder ein Jahr vorbei“ ein Satz der gewiss über jeden „Ladentisch“ wandert, aber all das sind Nichtigkeiten mit denen wir uns längst nicht mehr auseinander setzen sollten. Stattdessen sollte es heißen……ich lebe noch, auf ins nächste Jahr.

  • Ich finde es nicht schlimm, wenn man Anlässe wie den Jahreswechsel nutzt, um inne zu halten und einen Rückblick zu geben.
    Allerdings gebe ich Dir recht, dass es anscheinend oft nur geschieht, um Aufmerksamkeit zu heischen und auch was sagen zu können. Und dann so albern wie die Glückwünsche zum Geburtstag: „Kaum zu glauben, aber wahr, Du wirst heute schon … Jahr …“ Der Autor sollte sich dann vielleicht doch mehr Mühe mit der Rückschau machen, vielleicht kommt dann ja auch eine Erkenntnis rüber oder der Leser lernt etwas über den Autor.
    Was die diversen Beileidsbekundungen angeht, würde ich nicht so streng mit den Mitmenschen sein. Ich glaube schon, dass viele ehrlich geschockt sind und gerne auch ein Ventil haben möchten. Das ist nicht immer geglückt. Doch wie im wahren Leben ist es sicherlich besser, lieber etwas missglückte Anteilnahme zu zeigen, als zu schweigen, weil man nicht die richtigen Worte findet.
    Auch mit den Taten ist das so eine Sache. Wir wissen nicht, ob nicht zahlreiche Leute auch Taten, welcher Art auch immer, folgen lassen. Wenn sie das aufschreiben heißt es dann vielleicht, der brüstet sich damit.
    Also zusammenfassend gebe ich Dir recht, dass es gerade auch mit den Rückschauen wirklich vielen Schrott gibt, besonders auch von Profis in den Fernsehsendern. Andererseits würde ich bei Amateuren ein wenig nachsichtiger sein, auch die Beiträge von mir sind oft ziemlicher Müll, ich gebe es zu.

    • Das hast du schön gesagt. Ich versuche auch, nicht immer gleich die Augen zu verdrehen, weil mal wieder jemand etwas vermeintlich oberflächliches tut, sagt, oder schreibt. Es steht mir nicht zu, beurteilen zu wollen, was seine oder ihre Beweggründe sind. Auf die Nerven geht mir aber auch, dass es zu jedem Jahresende so oder so ähnlich abläuft. In der Vorweihnachtsszeit werden Rezepte gepostet bzw im TV vorgestellt. Basteltipps, Geschenkefinder, in den Lokalboulevardsendungen wird darüber berichtet, welches nun dieses Jahr die schönsten Weihnachtsmärkte sind. Später dann Jahresrückblicke, die Helden des Jahres, es werden die verstorbenen Prominenten geehrt. Jedes Jahr dasselbe.

      Aber stop: Das ist nun mal so.
      Es nervt, sicher, aber nur deshab, weil wir eben wieder ein Jahr älter sind, und letztes Jahr schon alles fast genau so erlebt haben.

      Es wiederholt sich alles immer wieder, nur fällt einem das am Jahresende besonders auf.

      Ich wünsche – wie jedes Jahr ;-) einen guten Rutsch :-)

  • Dein Blog gefällt mir sehr gut, die Themen haben immer den Anstrich von etwas Außergewöhnlichem, liegt wohl auch an deinem Umgang mit der Sprache. Beispiel:
    „Dieses Jahr hatte neben den gerade erst vor kurzem von allen Seiten häuchlerisch hinausposaunten Mit- und Beileidsbekundungen zum Berliner Anschlag, …“ …. Finde ich sehr treffend formuliert, „heuchlerisch hinausposaunten „…!
    Ich wurde nun leider auf Facebook gesperrt, Hintergründe sind im Artikel erfasst: https://oekonomie2040.wordpress.com/2016/12/27/eine-zensur-findet-nicht-oder-vielleicht-doch-statt/
    Ich will niemandem einen Schaden zuführen und verzichte erstmals auf das „Teilen“, Besuche sind ja erlaubt.
    Viel Erfolg

  • Endlich mal einer der die Wahrheit sagt. Es wird sich (leider) nichts ändern. Der Text könnte auch schon in Abänderung einiger Daten für Ende 2017 gelten.

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