Mein kleines Outing

Vielleicht entspricht mein Outing nicht ganz dem was sich jetzt der ein oder andere vorstellen mag. Und ich bin mir sicher, der etwas zu freundliche Herr, welcher mir neulich ausgesprochen unerwartet das Angebot des Oralverkehrs machte, wird sich nun ganz besonders ärgern.

Denn ich bin nicht schwul. Nein, mein Outing ist anderer Natur.

Bevor ich jedoch das Kind beim Namen nenne, sehe ich mich gezwungen jenem lästigen Blag eine kleine Erklärung vorzuziehen.

Ohne boniert klingen zu wollen empfinde ich mich doch mindestens als nicht allzu dämlich, weshalb auch meine Probleme in der Regel nicht im Rahmen alltäglicher Konflikte stattfinden. Denn gerade die Probleme welche aus einem selbst erwachsen, können einen mitunter vor eine unüberwindbar scheinende Wand stellen.

Nun könnte ich weit, meiner Meinung nach zu weit, ausholen, um meinem Charakter hier Gestalt zu verleihen. Ich vertraue hierbei ganz einfach einmal auf die Zeilen welche der aufmerksame Leser nicht lesen muss.

Kurzum, ich leide seit rund 9 Jahren an schweren Depressionen und einigen weiteren verästelten psychischen Problematiken, welche sich im Grunde alle um mich selbst drehen.

Wie egozentrisch! Ich weiß.

Letztlich möchte ich Euch, mir so wohlgesonnene Leser, nur den Blick auf mich gestatten, welcher Euch meiner Meinung nach durchaus zu zusprechen ist.

Jedoch ist es, wer hätte es gedacht, trotz überaus reflektierter Selbstwahrnehmung, nicht leicht sein Innerstes zu öffnen.

In den Jahren meiner verkopften Talfahrten hatte ich viele Strohhalme zum Klammern im Versuch sich der Gesellschaft anzuschließen. Neben handwerklicher Kunst, Finanzen, Sozialwesen (u.v.m.) hatte ich auch eine Bäckerausbildung in verzweifelter Suche nach meinem eigenen Sinn in Erwägung gezogen.

Doch bei all meinen Halmen die ich zu halten versuchte, war es mir nie vergönnt etwas zu finden was mich den Willen behalten ließ in dieser Welt existieren zu wollen. Bis jetzt.

Letztlich bleibt mir der innere Blick in das „Normalsein“ nachwie vor verwehrt – lediglich der eigene verschrobene äußere Winkel, die Dinge so nüchtern zu sehen, wie es sich für mich am „normalsten“ anfühlt ist mir möglich. Trotz, oder gerade wegen meines unnormalen Seins scheint da doch etwas zu sein, was sich zu lernen lohnt. Denn wenn ich schreibe bin ich nicht zu stoppen – es fühlt sich richtig an und sogar wahre Glücksgefühle keimen.

Den Mut zu fassen es sich zu sagen allerdings, den Wunsch auszusprechen fällt unfassbar schwer. Schriftsteller zu werden, das ist es.

Sicherlich in der heutigen Zeit auch ein unfassbar weitreichendes Spektrum. Und dennoch, gerade die Angst sich einzugestehen etwas gefunden zu haben, das einen selbst glücklich macht, dem Leben Sinn und Leichtigkeit verleiht sehe ich dadurch nur noch bekräftigt! Und deshalb, wenn auch nur in meinem Kopf, schreie ich es laut!

(Ich werde schreiben! Egal wie!)

Was sich bisher auch nur in meinem Kopf befand, ist die Dankbarkeit, die ich hiermit all jenen, und meiner Verlobten besonders, aussprechen möchte, welche es mir ermöglichen dem Funken den ich dabei bin zu entfachen seinen nötigen Raum zu gestatten.

Und da sich nun auch meine nicht allzu Internet-wissende Mutter unter meine Follower gemischt hat, ergreife ich diese Möglichkeit, mir dabei Max-Mustermännisch „ich grüße mal meine Familie im Fernsehen“ vorkommend, und danke neben ihr, auch den rund 1500 weiteren Menschen, welche sich im den Komoedianten versammelt haben, um ihn regelmäßig zu lesen.

 

Dankend,

Euer Komoediant!

Hinterlasse einen Kommentar

10 Kommentare auf "Mein kleines Outing"

Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung

Hallo Komödiant,
Ich muss gestehen ich beneide dich. Denn auch wenn das Schreiben eine Leidenschaft von mir ist und ich deinen Traum teile, wird mir aus Finanzieller Sicht dieser wohl nie erfüllt werden. Deshalb wünsche ich dir echt viel viel Glück und drücke dir die Daumen das es läuft. Erfülle deinen Traum und werde glücklich :)
Gruß Fuma

lieber komödiant du bist ja da, du willst in der welt existieren, und es ist oft schwer und wie eine wand, und du bist normal wie jeder andere mensch, nicht in depressionen zu verfallen ist schön, aber mit normal und unnormal hat es nichts zu tun, viele sogenannte normale sind vielleicht nur deshalb nicht depressiv ( und viele lügen und leugnen, daß sie es auch ab und zu sind), weil sie nichts spüren. ich bin auch depressiv, aber ich spüre… und wenn und nachdem du schreibst BIST du schriftsteller, fertig aus amen, aus der dunkelheit und dem licht grüsse ich… Read more »

„normal“ und „unnormal“ sollten auch lediglich assoziative Begriffe sein.
Ich habe mich an ihnen ebenso gestört.
Schrecklich belastete Worte.

Danke für deine Zeilen! Aufrichtigen Dank!!

Lieber Hendrik,
ich grüß dich herzlich zurück aus Berlin (Marienfelde) ;-)

Lieber Kommödiant,
ich finde es mutig und du hast meine totale Achtung, dass du so offen bist.
Vielen Dank!!! Die wundervollen Gefühle , die das Schreiben auslösen kann, die kenne ich auch – und bin deshalb froh, dass du diese Lust an der Lebendigkeit des Schreibens gefunden hast. :-)
Ganz herzliche Grüße schickt dir
MarINa

Vielen Dank!!

Einen lieben Gruß aus Berlin.
Hendrik

Hallo Komoediant,
den ersten Schritt zum Schriftsteller hast du schon getan. Mit deinem Blog. Schließlich kannst du damit Erfahrung im Schreiben, sammeln. Und mit deinem Blog bist du schon recht erfolgreich, wie ich das so sehe.
Ich wünsche dir viel Erfolg in der Schriftstellerei.

Vielen Dank!

Na dann, las krachen! Wie Du schreibst, ist heute die Möglichkeit und die Spannbreite zum „Schriftsteller sein“ recht groß. Ich wünsche jedenfalls Glück, Ruhm und Reichtum :-)

Ich finde es großartig, dass du so ehrlich bist! Da werden sich einige mit Sicherheit diesen Worten anschließen können! Jeder hat sein Päckchen zu tragen und ich danke dir, dass du dein Päckchen mit uns teilst! Liebe Grüße, Julia ♥

wpDiscuz