Morgens halb 10

In Deutschland. Genauer; in Berlin.

Ein junger Mann, mitte Zwanzig, gut aussehend, leicht verlebt auf verruchte Art und Weise, beinahe unwiderstehlich – nennen wir ihn einfach ich.

Also ich ging um etwa halb Zehn Uhr am Morgen in Richtung Einkaufspassage. Eine dieser immer gleich aussehenden, immer gleich riechenden, immer vieltönig eintönig wummern die aktuellsten Pop-Hits aus unzähligen Läden. Etwas zu laut, etwas zu viel.

Unverwechselbar und ganz besonders einzigartig ist jedoch jene eine Einkaufspassage die ich betrat, denn unmittelbar im Eingangsbereich drückt sich einem der unverwechselbar ekelhaft vermischte Geruch vieler unerträglicher Käsesorten in die Nase.

In lachhaft leuchtend grüner Optik gestaltetes Banner, welches Damokles-gleich über mir prangt, trägt es seinen Namen. Des Teufels Küche, möchte man meinen. Zumindest ich empfinde diese Geruchsfolter jedes mal beim Betreten als zusätzliche Verheißung die Passage nur schnellstmöglich wieder zu verlassen.

In meinem Hass brodelnd, all die Wut auf jenes widerlich grünes Banner fokussiert bemerkte ich an jenem schicksalhaften Tag nicht die wahrhaft ernstzunehmende Bedrohung.

Ein C-Promi! In ganzer Fülle und Pracht.

Sonst bei Berlin Tag und Nacht zu sehen, stand jener stark tätowierter Mann von kleinem Wuchs vor mir. In panischer Perplexität lächelte ich, im Nachhinein vermute ich schlicht aus Unsicherheit, den Mann ausversehen an. Dieser sich seiner C-klassigen Berühmtheit bewusst mit gewohnter, beinahe auswendig gelernter Sicherheit, meinte ich würde ein Autogramm von ihm wollen. Unfähig aus meiner derzeitigen Gefühlslage auszubrechen machte ich vermutlich den Eindruck von Zustimmung. Ich, mir der Misere bewusst, versicherte dem Kerlchen mit meiner nun endlich wiedergewonnenen Fassung, er sei der letzte dumpfnasige Kackvogel von dem ich eine Karte mit seinem analphabetarischen Gekrakel haben wolle! Nach etlichen Beschimpfungen beiderseits konnte ich mithilfe eines mächtigen Schrittes in Richtung Käse-Hölle dem Unhold entkommen.

Gut, nun könnte auch ich hier der Unhold gewesen sein, dennoch frei jeden Zweifels behaupte ich dies magisch knisternde Duell zweier Nullnummern für mich entschieden zu haben. Ich erwarte jedoch jederzeit die Rache des mächtigen Privatsenders dessen Name nicht genannt werden darf und möchte deshalb diese Zeilen den zahlreich desinteressierten Zuschauern (und Dir, geneigter Leser) des unfassbaren Spektakels widmen.

Und natürlich, zu guter letzt, verspeiste ich um halb 10 Uhr am Morgen in Deutschland, in Berlin, in der Einkaufspassage weder Haselnussschnitte noch Stinkekäse.

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