Schulz-Hype oder Merkel-Treue ?!

Martin Schulz –  100%

Wer sich heute die Mühe gemacht hat den Bundesparteitag der SPD zu verfolgen, konnte der nahezu gesamten Partei dabei zusehen, wie sie sich hinter ihren Kanzlerkandidaten stellt, und ihn mit quasi Einstimmigkeit zum neuen Parteichef wählt. Was sicherlich auch politisches Statement in Richtung CDU/CSU zu verstehen ist, da diese ja im allgemeinen etwas größere Schwierigkeiten haben mit einem Konsens glänzen zu können.

Was aber kann man von den, häufig noch wagen, Aussagen des ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten halten? Denn das ist der wohl größte Kritikpunkt die dem frischgebackenen Parteichef bisher vorgehalten werden – seine wagen Aussagen.

Ich kann, wie immer, nur für mich sprechen. Aber gerade in solchen diskussionsreichen Zeiten vor Wahlen verlasse ich mich in erster Linie darauf, was mein Gefühl mir sagt. Das mag naiv und ein wenig unprofessionell sein, ist aber das Einzige was einem derzeit bleibt. Denn wenn man sich hingegen ehrlich und etwas detaillierter mit der aktuellen politischen Lage in Deutschland beschäftigt, wird einem schnell klar, dass wahrscheinlich hinter nahezu jeder Aussage jedes Politikers derzeit kalkulierter Wahlkampf steckt.

Was also glauben?

Was sicherlich nicht einfach so dahin geschwafelt oder eiskalt kalkuliert ist, ist der soziale Ansatz den Herr Schulz verfolgt. Wenn er von mehr sozialer Gerechtigkeit, gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit und etlichen weiteren sozial orientierten Schwerpunkten spricht, kann man doch vorsichtig gewiss sein, dass nach einer möglichen Wahl sicherlich nicht plötzlich eine ganz andere Programmatik auf dem Plan steht.

Und ebenso könnte man Frau Merkel, seiner Gegnerin im Kampf um das Kanzleramt, aus ihrer bisherigen politischen Linie nur wenig Stricke drehen, wenn man ihre Pläne und Taten miteinander gleichsetzt. Auch, und gerade für eine CDU-Kanzlerin, hat Frau Merkel einen ziemlich sozialdemokratischen Eindruck bei mir und vielen weiteren hinterlassen. (So sehr mir auch der ein oder andere widersprechen würde)

Was man stets im Hinterkopf behalten sollte, ist für mich die Tatsache, dass keine Partei vollkommen allein regiert – es gibt immer Einflüsse aus Opposition und eventuellen Regierungspartnern. Daraus ergibt sich auch eine mögliche Diskrepanz der formulierten Vorhaben, und der tatsächlichen Umsetzung.

Der positive Trend stimmt zuversichtlich

Ich persönlich freue mich sehr auf die Bundestagswahl 2017, denn ich bin der aufrichtigen Überzeugung in einem Deutschland zu leben, das wahnsinnig vielfältig und divers ist. Und sich als Teil eines gemeinsamen größeren Europas versteht. Außerdem hat sich dieses Land in meinem jungen Leben, unter den wenigen Regierungen die ich selbst erlebt habe, insgesamt doch positiv entwickelt. Und auch deshalb mache ich mir nur sehr geringe ernsthafte Gedanken darüber wer letztlich unser Land regiert. Denn der Fortschritt der Vergangenheit zeigt eine Tendenz die mit meinen eigenen Überzeugungen durchaus zu vereinbaren ist.

Auch in Zeiten von AfD und den europäischen Äquivalenten sehe ich eine klare Tendenz, vor allem in Deutschland, zu einem größeren Verständnis als Europäer. Als große Gemeinschaft der Mitte, gegensätzlich zu den abschottenden Einzelgängerstrategien der rechten Auswüchse. Mit dem Wissen einer engagementsreichen Zeit, einer Zeit, in der sich endlich auch die Menschen für eine Zukunftsidee zusammenfinden, die sich sonst eher zurückhalten, glaube ich fest an eine positive Entwicklung meiner/unserer Vorstellung von Gemeinschaft und Zusammenleben.

Keine Lorbeeren ohne Ermahnung

Was jedoch niemals vergessen werden darf, ist die Tatsache, dass man erreichte Fortschritte stets auf ein Neues verteidigen und neu überdenken, neu diskutieren muss. Denn das vermeintliche Phänomen der Sicherheit in der Flucht in das Abseits ist im Grunde keines. Seit Jahrtausenden muss sich der Fortschritt seinen Standpunkt, seiner Definition als logische Konsequenz, immer neu erklären! Mit Stolz kann ich also nur dazu aufrufen sich den widersprüchlichen Ideen rechter Kräfte weiterhin mit Logik und Entschlossenheit entgegenzustellen. Dann mache ich mir keine Sorgen über den Ausgang deutscher Wahlen – egal welcher Größenordnung.

 

Ausnahmsweise einmal recht versöhnlich,

Euer Komoediant!

 

 

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