Teen Porno, schnelles Geld und gebrochene Mädchen

Heute schon Pornos gesehen?

Und obwohl es nahezu jeder tut, nahezu jeder tut es regelmäßig, mich eingeschlossen, hat kaum jemand den Mut hinter die Kulissen zu schauen.
Ich hatte mir vorgenommen zumindest einen kleinen Blick in das riesig abstrakte Konstrukt der Pornoindustrie zu werfen.
Die größte Schwierigkeit dabei war es definitiv überhaupt über den Horizont eines gelegentlichen Konsumenten hinaus zu schauen. Denn so möchte uns natürlich das Filmchen unsere Bedürfnisse erfüllen ohne das weitere Fragen gestellt werden.
Ich denke aus zweierlei Gründen, einmal aus dem klassischen Schamgefühl seiner eigenen Sexualität gegenüber, und um das Gesicht derer zu wahren, die uns vormachen das Geschäft der modernen Pornos sei stets eine einvernehmliche Übereinkunft verschiedener Partner. Ein Geschäft.
Oder besser noch, wir sollen an eine unschuldige Aufnahme eines einfachen Pärchens glauben, dass sich eben beim Sex filmt.
Sicherlich gibt es auch die Sparte, in denen echte Amateure ihre Intimitäten filmen und damit eine schmale Mark machen, dies dürfte allerdings die Ausnahme sein. Denn es ist gerade der Anschein von Vertrautheit, Unschuldigkeit und Amateurhaftigkeit der so beliebt ist.

Die meistgesuchten Porno-Tags sind „Teen“ und „Amateur“

Was jedoch hinter diesen absolut harmlosen Begriffen steht ist wahnsinnig. Alte Männer die jungen Frauen Abscheuliches antun, Stiefväter die Sex mit ihren Töchtern haben, gewaltvolle, quälende Sexpraktiken die die Frauen wegen der Hoffnung auf Berühmtheit und schnelles Geld über sich ergehen lassen und in einen Strudel geraten an dessen Ende eine gebrochene Seele und häufig auch eine gestörte Persönlichkeit steht.
Viele junge Frauen geraten auf den unterschiedlichsten Wegen, aber oft aus gleichen Hoffnungen in die Klauen der Pornoindustrie. Sie werden benutzt, eine Zeit lang „gut“ bezahlt, und wenn sie dann letztlich die Erniedrigung, die Schmerzen (physisch und psychisch) nicht mehr ertragen und endlich aussteigen, kehren sie in ein Umfeld zurück, dass ihren Versuch des schnellen Geldes nie gut geheißen hatte. Allerdings nur wenn sie Glück haben, haben sie überhaupt noch ein soziales Umfeld.

Unfassbar grausam

Mir fehlt leider ein wenig der Mut all die Dinge anzusprechen, welche sich hinter dieser mächtigen Industrie verbergen. Jedoch kann ich allen die sich gern als aufgeklärte Wesen des 21. Jahrhunderts betrachten nur dringend raten sich zumindest im Ansatz damit auseinander zu setzen, da es unsere verfluchte Pflicht ist derartige gesellschaftliche Misstände gefälligst zu bemerken, zu benennen und anzuklagen.

Eine wirklich gute Netflix Dokumentationsserie zu diesem Thema wurde vor 2015 beim Sundance Film Festival präsentiert. Sie wirft einen Blick auf die Amateur-Pornobranche und die Frauen, die davon ausgebeutet werden.

Innerhalb der Dokumentation werden junge Frauen auf ihrem Weg in die Branche begleitet, und man erlebt hautnah wie kurz der Weg von einer hübschen, braven amerikanischen Tochter zum Pornosternchen ist.

Besonders schockierend waren für mich die absurden Gewaltphantasien, die bspw. in Formaten wie „Facial Abuse“ ausgelebt werden. Dabei werden die jungen Frauen nicht nur beleidigt, geschlagen und mittels extrem brutalem Oralverkehr gedemütigt – viele wissen vorher nicht was auf sie zukommt. Sie finden sich innerhalb weniger Minuten in einer so skurrilen Situation wieder, das jeder Gedanke an Abbruch oder die Bitte aufzuhören nicht realisiert werden. Es kommt einem vor wie eine Vergewaltigung der schlimmsten Art.

Letztlich ist das natürlich nur ein krasses Beispiel für die Phantasien die es alle zu befriedigen gilt. Allerdings verdeutlichen diese Beispiele wie es auch im Kleinen stattfindet. Das wohl schlimmste daran ist, dass der Anteil der pornographischen Filme, welche Gewalt gegen Frauen, sei es so widerlich und direkt wie beschrieben, oder aber kleiner und indirekter, zeigen um eine Vielzahl höher als jene, in denen der Sex auf Augenhöhe stattfindet.

Sexualerzieher: Porno

Pornos sind absolut Alltäglich, so sehr, dass jeder sie sehen kann, kostenlos, mit nahezu jedem Gerät. Und die jungen Menschen, die wir alle einmal waren, lernen von diesen Pornos Sex. Und das ist unwahrscheinlich gefährlich.

Denn was sie dort lernen ist, dass Frauen zu benutzen sind wie ein Stück Seife. Dass es normal ist als Mann zu bekommen was man will. Dass Gewalt zum Sex gehört. Dass es normal ist brutale Phantasien im Schlafzimmer auszuleben. Und die jungen Mädchen lernen wiederum ihre Rolle in dieser von Gewlt geprägten sexistischen Früherziehung zu spielen.

Diese Entwicklung ist nicht nur extrem Besorgnis erregend. Sie nimmt stetig zu, es wird immer normaler. Erst vor kurzem wurde ich damit in meinem eigenen Freundeskreis konfrontiert. An einem bis dahin lustigen Abend wurden plötzlich vermeintlich witzige Videos gezeigt. Und zu meiner aufrichtigen Bestürzung schienen damit alle einverstanden den Frauen dabei zuzusehen wie sie leiden und gedemütigt werden. Ich habe meinen Unmut darüber natürlich geäußert und wurde verstanden. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ich bisher definitiv nicht begriffen habe wie weit die Zweige dieses Verbrechens reichen. Denn das ist es. Ein Verbrechen.

Give us back porn

Und dennoch hat mir dies einmal mehr gezeigt wie wichtig es ist aufzustehen und Nein zu sagen! In diesem Fall genügt das allerdings nicht. Das Ausmaß dieser Industrie und die damit verbundene Macht ist unvorstellbar. Größer als jeder Konzern, jedes Land. Sollten alle Pornoseiten aus dem Internet verschwinden, gäbe es nur noch eine einzige Seite, welche die Pornos zurück fordert. Was ich sonst als witzige Anekdote an die Menge an Pornos im Internet verstand, wird in diesem Zusammenhang zur bitteren Prophezeiung.

Was meint ihr zu diesem Thema? Ich wäre unwahrscheinlich froh dazu eine kleine Diskussion anregen zu können.

 

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3 Kommentare auf "Teen Porno, schnelles Geld und gebrochene Mädchen"

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Was mich an der Doku zusätzlich erschrocken hat, war das diese Mädchen ihre Situation nicht wirklich reflektieren konnten. Trotz ihrer Erlebnisse haben sie sehr lange gebraucht, um sich einzugestehen, dass sie durch ihre Arbeit in Pornoindustrie körperlichen und seelischen Schaden nehmen.

Hast Du denn nun aufgehört, Pornos zu gucken?

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